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NATIONS CUP
Ruhm, Beharrlichkeit, Glück und gebrochene Herzen – beim Weltfinale des Nations Cup 2021 war alles dabei
Nations Cup 2021 – Weltfinale
05.12.2021

Tokio, Japan (5. Dezember 2021) – Während Hunderttausende „Gran Turismo™ Sport“-Spieler über zwei Online-Saisons der „FIA Certified Gran Turismo Championships 2021“ hinweg in wöchentlich stattfindenden Rennen gegeneinander antraten, lief gleichzeitig ein Wettbewerb im abgeänderten Format für die allerbesten Teilnehmer. Fahrer aus der ganzen Welt nahmen von zu Hause aus an vier Runden der „World Series“ und dem in der Mitte der Saison abgehaltenen „World Series“-Showdown teil. Die in der World Series gesammelten Punkte wurden schließlich mitgenommen in das prestigeträchtige Weltfinale des Nations Cup, der letzten Veranstaltung der 2021er-Rennserie, die am vergangenen Wochenende übertragen wurde.

Für das Finale wurden 32 der schnellsten Fahrer weltweit nach Region in drei Gruppen unterteilt, denen drei separate Halbfinalrennen zugewiesen wurden. Der Sieger würde 12 Punkte erhalten, ein zweiter Platz brachte 10 Punkte, der dritte Platz war 8 Punkte wert usw. Das Ziel aller Fahrer war erstens die Qualifikation für das Große Finale und zweitens, mit möglichst vielen Punkten dort anzukommen. Da im Großen Finale doppelte Punkte vergeben wurden, hatten selbst Spieler aus den hinteren Reihen nach wie vor eine theoretische Chance, die Trophäe beim Nations Cup 2021 zu ergattern. Dazu würde es jedoch eine absolute Topleistung brauchen, denn Valerio Gallo aus Italien konnte sich durch Tempo und Konstanz bereits während der Serie einen Sechs-Punkte-Vorsprung vor dem nächstplatzierten Rivalen, José Serrano aus Spanien, herausfahren.

Halbfinale A, Region Asien/Ozeanien: Mount Panorama Motor Racing Circuit

Das erste „Nations Cup“-Rennen des Tages fand auf dem Mount Panorama Motor Racing Circuit in Australien, Heimat des Bathurst 1000, statt und war eine Angelegenheit über acht Runden im Mazda Roadster Touring Car. Titelverteidiger Takuma Miyazono aus Japan (Kerokkuma_ej20) legte im Qualifying die schnellste Zeit der Asien/Ozeanien-Gruppe hin und holte sich die Pole Position. Hinter ihm erreichten sein Landsmann Ryota Kokubun (Akagi_1942mi) sowie Guy Barbara (PX7-Twitchy) und Andrew Lee (PX7-AmazingHour), beide aus Australien, die nächsten drei Plätze.

Da nur die ersten fünf Fahrer des Klassements ein Ticket für das Große Finale lösen konnten, ging es unter den zehn Teilnehmern schon früh heiß her. Miyazono führte das Feld in Kurve 1 an, während Lee sich an Barbara vorbei auf den dritten Platz schob. In der nächsten Runde quetschte sich Kanata Kawakami aus Japan (SG_Kawakana) in der Quarry Corner an Barbara vorbei und rückte auf P4 vor, wonach Lee mit einem waghalsigen Manöver bei der Ausfahrt aus Kurve 4 innen an Kokubun vorbeizog und Position 2 erreichte.

Es war offensichtlich, dass Lee in Topform war, da er in den ersten Runden des Rennens ein bemerkenswertes Tempo auf die Strecke brachte. In der dritten Runde holte er sich Miyazono auf der Conrod Straight und übernahm die Führung. Zur Halbzeit des Rennens waren die Positionen 1 – 10 dennoch eng gruppiert und zwischen den Autos lag jeweils nicht mehr als eine halbe Sekunde. Lee führte das Feld an, während hinter ihm Miyazono, Kokubun, Kawakami und Barbara die Verfolgung aufnahmen.

In Runde 5 bahnte sich Tomoaki Yamanaka (yamado_racing38) aus Japan aggressiv den Weg durch die Innenseite der Haarnadelkurve 4 an Barbara vorbei, wobei er den Roadster des Australiers touchierte und ihn auf den letzten Platz schickte. Die Rennkommission zeigte sich von Yamanakas Taktik wenig beeindruckt und brummte ihm eine heftige 2-Sekunden-Strafe auf, die ihn schlussendlich aus dem Wettbewerb warf und seine Hoffnungen auf einen zweiten Sieg im Nations Cup nach seinem Triumph in der Manufacturer Series beendete.

Gegen Ende von Runde 7 erreichte die Spannung den Höhepunkt, als sich die ersten sieben Autos in Kurve 22 und 23 mehrmals berührten und um die bessere Ausgangsposition für die letzte Rennrunde wetteiferten. Der erbitterte Kampf setzte sich bis zum Beginn von Runde 8 fort, als Kokubun, Kawakami und Tatsuhiko Kato aus Japan (Tatsukt) zu dritt nebeneinander um den entscheidenden fünften Platz fuhren. Kawakami konnte diesen Wettstreit für sich entscheiden, doch das entstandene Chaos nutzte vor allem dem Kiwi Matt McEwen (AE_McEwen), der sich, ursprünglich von Position 5 gestartet, eine knappe Runde vor Schluss den dritten Rang sicherte. Takuma Miyazono überholte Lee auf der Conrod Straight und holte sich die Führung. In einem packenden Finish versuchte Lee, sich diese via Außenseite der letzten Kurve zurückzuholen, geriet jedoch zu weit nach außen und wurde schließlich vor der Ziellinie noch von Matt McEwen überholt, der sich den zweiten Platz sichern konnte, während Miyazono als erster die Ziellinie überquerte. Kanata Kawakami und Ryota Kokubun belegten schließlich die Plätze vier und fünf und qualifizierten sich ebenfalls für das Große Finale.

RANG FAHRER ZEIT
1 Takuma Miyazono Kerokkuma_ej20 18:40.165
2 Matthew McEwen AE_McEwen +00.310
3 Andrew Lee PX7-AmazingHour +00.312
4 Kanata Kawakami SG_Kawakana +00.415
5 Ryota Kokubun Akagi_1942mi +00.501
6 Tatshuhiko Kato Tatsukt +00.599
7 Jonathan Wong saika159- +01.731
8 Soma Iseri Arrow71sr +02.418
9 Tomoaki Yamanaka yamado_racing38 +03.825
10 Guy Barbara PX7-Twitchy +06.073

Halbfinale B: Autodromo Nazionale Monza

Das zweite Rennen des Tages sah von allen drei Halbfinalläufen mit 13 Spielern aus der Region Europa/Naher Osten/Afrika das größte Starterfeld, wobei in diesem Fall die besten sechs Fahrer das Große Finale erreichen würden. Der Modus sah ein Rennen über 15 Runden im „Gran Turismo F1500T-A“-Formelrennwagen auf dem Autodromo Nazionale Monza vor. Jeder Fahrer musste jeweils mindestens eine Runde auf Reifen der harten bzw. mittleren Mischung absolvieren, die Boxenstrategie war also definitiv ein wesentlicher Faktor. Schnellster im Qualifying war Patrik Blažan (RSZe_Fuvaros8) aus Ungarn, der das Rennen von der Pole Position aus beginnen durfte. Hinter ihm starteten José Serrano aus Spanien (PR1_JOSETE), Valerio Gallo aus Italien (Williams_BRacer) und der bis dato unbekannte Kylian Drumont aus Frankreich (eMONACO_Kylian19K).

Alle Fahrer mit Ausnahme von Coque López aus Spanien (coqueIopez14) auf P12 starteten mit den harten Reifen. Sein Plan war es, sich im Feld nach vorne zu arbeiten, so bald wie möglich die Führung zu übernehmen und vor dem Wechsel auf die harten Reifen auf der freien Strecke einen größtmöglichen Vorsprung herauszufahren. Eine gewagte Strategie, die jedoch im Erfolgsfall äußerst gewinnbringend sein könnte. Gleich in der ersten Kurve gab es jede Menge Action, als Serrano und Gallo Blažan um seine Führung bringen wollten. Serrano konnte an ihm vorbeiziehen, Gallo blieb jedoch vorerst hinter dem Ungarn hängen. In der Zwischenzeit hatte Nikita Moysov aus Tschechien (ERM_Nick) den Belgier Quinten Jehoul (ERM_Quinten) ins Kiesbett gedrängt und vom fünften auf den letzten Platz zurückgeworfen, während López das Chaos ausnutzte und sich P5 holte. Moysov erhielt für sein Manöver schließlich eine strenge 3-Sekunden-Strafe, die den Wettbewerb für ihn vorzeitig beendete.

Am Ende der ersten Runde fuhren beinahe alle Fahrer, die auf den harten Reifen gestartet waren, in die Box, um die mittleren Reifen aufzuziehen. López, der auf der Strecke blieb und sich die Führung holte, hoffte, diese vor seinem eigenen Boxenstopp weiter ausbauen zu können – seine Strategie war bis zu diesem Zeitpunkt perfekt aufgegangen.

In Runde 4 hatte López bereits 20 Sekunden Vorsprung vor Serrano und Gallo aufgebaut. Der Italiener Giorgio Mangano (Williams_Gio) holte sich derweil von Startposition 10 kommend P4. In Runde 5 wurde das Rennen zusehends rauer: Die Autos auf den Positionen P8 bis P12 bekämpften sich auf dem Weg durch die Curva di Lesmo heftig und es kam zu zahlreichen Kollisionen und Schäden. Die Rennkommission hatte in der Folge alle Hände voll zu tun und belegte schließlich Nicolas Romero aus Spanien (ERM_NicoRD), Moysov und den Deutschen Miroslaw Kravchenko (V1_MK01) mit Strafen.

Am Beginn von Runde 7 zog der Franzose Baptiste Beauvois (R8G_TSUTSU) an Mangano vorbei und holte sich den vierten Platz, während López seinen Vorsprung auf 21 Sekunden erweitert hatte. Mangano holte sich seinen Rang bereits eine Runde später zurück, wobei die Autos auf den Geraden bis zu 315 km/h erreichten. Wie erwartet fuhr López am Ende von Runde 14 mit 21 Sekunden Vorsprung in die Box – doch würde sein Polster bei der Rückkehr auf die Strecke ausreichen? Die Antwort lautete: Nein. Zwar erreichte der Spanier den Kurs unmittelbar vor Serrano und Gallo, beide konnten ihn jedoch überholen, während er wieder Tempo aufbaute.

In der letzten Runde kam es zu einem intensiven Duell zwischen den beiden Punkteführenden der Meisterschaft, Gallo und Serrano. In der Curva Biassono gelang es dem Italiener, dem Spanier seine Führung abzuluchsen. Serrano klebte daraufhin förmlich an Gallos Heck und plante, den Windschatten auf der Gegengerade auszunutzen, um den Italiener in der Curva Parabolica im letzten Abschnitt der Strecke doch noch zu überholen. Gallo, der das Vorhaben des Spaniers jedoch durchschaut hatte, blockierte auf der Gegengerade die innere Fahrlinie und zwang Serrano damit auf die Außenseite des Kurses. Der Spanier lag zwar einen kurzen Moment vorn, musste die Kurve aber auf der Außenbahn durchfahren, weshalb Gallo auf der Zielgerade erneut die Führung übernehmen konnte. José Serrano gab dennoch nicht auf und setzte alles auf eine Karte – doch es sollte knapp nicht reichen und schließlich überquerte er die Ziellinie lediglich vier Hundertstelsekunden hinter Valerio Gallo! Coque López erreichte mit einer brillanten Fahrt und mutigen Boxenstrategie den dritten Platz, während dahinter Baptiste Beauvois, Giorgio Mangano und Patrik Blažan ihre Tickets für den großen Showdown lösen konnten.

RANG FAHRER ZEIT
1 Valerio Gallo Williams_BRacer 22:00.850
2 Jose Serrano PR1_JOSETE +00.046
3 Coque López coqueIopez14 +00.796
4 Baptiste Beauvois R8G_TSUTSU +02.281
5 Giorgio Mangano Williams_Gio +02.567
6 Patrik Blazsán RSZe_Fuvaros8 +03.817
7 Nicolas Romero ERM_NicoRD +07.712
8 Nikita Moysov ERM_Nick +08.666
9 Arie Rodrigues Haydar eMONACO_Arie64 +14.219
10 Quinten Jehoul ERM_Quinten +14.606
11 Kylian Drumont eMONACO_Kylian19 +16.317
12 Ádám Tápai TFz_Adam18) +16.946
13 Miroslaw Kravchenko V1_MK01 +21.700

Halbfinale C: Blue Moon Bay Speedway – Innen A

Die Startaufstellung des Halbfinallaufs der Region Amerika bestand aus neun Spielern, wobei die Top 5 ins Große Finale einziehen würden. Die Pole Position für die 17 Runden auf dem Blue Moon Bay Speedway – Innen A erreichte Lucas Bonelli aus Brasilien (TGT_BONELLI), gefolgt vom Chilenen Angel Inostroza (YASHEAT_Loyrot) auf P2 und Igor Fraga (IOF_RACING17), einem weiteren Brasilianer, auf P3. Die Fahrer mussten jeweils mindestens eine Runde auf harten und auf mittleren Reifen absolvieren, ein Boxenstopp war also in jedem Fall erforderlich.

Die „Ford GT“-Rennwagen starteten sauber ins Rennen und es kam zu keinen nennenswerten Überholmanövern. Der Kanadier Andrew Brooks (PX7-Deafsun) geriet jedoch in Kurve 4 in Schwierigkeiten, krachte nach Untersteuern in die Mauer und fiel auf den letzten Platz zurück. Der US-Amerikaner Daniel Solis (PX7-Lamb) bewegte sich hingegen in die andere Richtung und arbeitete sich auf P6 vor, obwohl er vom letzten Platz aus gestartet war. Solis und der Brasilianer João Pessôa (GRID_JoaoSof) fuhren am Ende der Runde in die Box, um umgehend auf die schnelleren mittleren Reifen zu wechseln. In Runde 3 gelang es den Top 4 – Bonelli, Inostroza, Fraga und Juan Hernandez (TX3_Kangreti) aus Guatemala –, sich vom Rest des Feldes abzusetzen und ein 3,4-Sekunden-Polster auf den fünftplatzierten Brooks herauszufahren. Am Ende von Runde 4 fuhren die Führenden in die Box, zogen die mittleren Reifen auf und kehrten in derselben Reihenfolge auf die Strecke zurück.

Zur Halbzeit des Rennens hatten die ersten vier Fahrer ihren Vorsprung auf über sechs Sekunden ausgebaut, während Adriano Carrazza (KoA_Didico15) aus Brasilien, Brooks und der US-Amerikaner Randall Haywood (R8G_Originals) den fünften Rang, der den letzten Platz im Großen Finale bedeuten würde, unter sich ausfochten. In Runde 11 startete Brooks ein waghalsiges Überholmanöver und schob seinen Ford GT in der lang gezogenen Kurve 1 außen an Carrazza vorbei. Der Brasilianer holte sich die Position in der Haarnadelkurve 5 jedoch gleich wieder zurück. Etwa zur selben Zeit schienen die Top 4 ihre relativ defensive Fahrweise über Bord zu werfen und Inostroza schickte sich an, Druck auf Bonelli auszuüben und ihm die Führung streitig zu machen.

Im Kampf um P5 zwischen Carrazza und Brooks lauerte Haywood geduldig im Windschatten und wartete auf einen Fehler seiner beiden Kontrahenten. Genau dazu kam es just in Kurve 6, als Brooks kurzzeitig mit einem Rad ins Grüne fuhr, wodurch er selbst und Carrazza so weit verlangsamt wurden, dass Haywood problemlos überholen konnte. Brooks hatte sein Auto jedoch schnell wieder im Griff, überholte den Brasilianer und versuchte, sich seine Position vom Amerikaner zurückzuholen – was ihm in der nächsten Runde auch gelang.

In der vorletzten Runde startete Inostroza schließlich seine Attacke auf die Rennführung, als er Bonelli an der Innenseite der Haarnadelkurve 4 ausbremste. Er schaffte es zwar an ihm vorbei, die Freude war jedoch nur von kurzer Dauer, da Bonelli in der darauffolgenden Kurve die bessere, innere Fahrlinie erwischte. Inostroza musste Kurve 5 also außen durchfahren, wodurch sich sowohl Bonelli als auch Fraga an ihm vorbeischieben konnten und er selbst auf den enttäuschenden dritten Platz zurückfiel. Lucas Bonelli überquerte schließlich als Sieger die Ziellinie, gefolgt von Igor Fraga, Angel Inostroza, Juan Hernandez und Andrew Brooks, die sich die weiteren Plätze im Großen Finale sichern konnten.

RANG FAHRER ZEIT
1 Lucas Bonelli TGT_BONELLI 20.13.995
2 Igor Fraga IOF_RACING17 +00.148
3 Angel Inostroza YASHEAT_Loyrot +00.675
4 Juan Hernández TX3_Kangreti +00.827
5 Andrew Brooks PX7-Deafsun +12.216
6 Randall Haywood R8G_Originals +12.425
7 Adriano Carrazza KoA_Didico15 +12.919
8 João Cláudio Santos Pessôa GRID_JoaoSof +17.321
9 Daniel Solis PX7-Lamb +22.686

Großes Finale: Dragon Trail – Küste

Im letzten Rennen ging es nun also um alles. Die besten 16 Fahrer fuhren 22 Runden auf der herausfordernden Strecke Dragon Trail – Küste um den Titel des „Nations Cup“-Champions 2021. Da die Punkte in diesem Finalwettbewerb doppelt zählten, hatten beinahe alle Spieler im Feld nach wie vor eine theoretische Chance auf den Sieg, der große Favorit war allerdings nach wie vor Valerio Gallo aus Italien, der die Saison 2021 dominiert hatte. Gallo ging mit 30 Punkten ins Große Finale, sein Hauptrivale, José Serrano aus Spanien, hatte acht Punkte weniger auf dem Konto. Beide Fahrer überzeugten auch im Qualifying und bugsierten ihr Ford GT LM Spec II Test Car in die erste Startreihe, wobei Serrano sich die Pole Position sichern konnte. Der Champion der Region Amerika, Lucas Bonelli aus Brasilien, startete auf P3, Takuma Miyazono aus Japan belegte Rang 4. Wie immer im Großen Finale des Nations Cup mussten die Fahrer auch diesmal jeweils mindestens eine Runde auf weichen, mittleren und harten Reifen absolvieren – zwei Boxenstopps waren also unumgänglich.

Gleich nachdem die Ampel grün geworden war, zeigte sich, dass es zu einem offenen Schlagabtausch kommen würde. Sämtliche Fahrer schickten sich bereits in Kurve 1 an, Plätze im Feld gutzumachen. Kanata Kawakami aus Japan gelang dabei der größte Coup, als er seinen Landsmann Takuma Miyazono auf den langsameren harten Reifen hinter sich ließ und kurz darauf nach Kurve 3 außen an Bonelli, ebenfalls auf der harten Mischung unterwegs, vorbeiraste. Gallo vollführte anschließend ein Überholmanöver aus dem Lehrbuch und luchste Serrano in der Haarnadelkurve die Führung ab. Auf halbem Weg durch die Eröffnungsrunde schienen die Positionen einigermaßen gefestigt, wobei die Top 5 von Fahrern gebildet wurden, die mit den mittleren Reifen gestartet waren – Gallo, Serrano, Kawakami, Juan Hernandez aus Guatemala und Andrew Lee aus Australien.

In der zweiten Runde machte Kawakami klar, dass er nicht zum Spaß mitfuhr, überholte Serrano in der Haarnadelkurve unmittelbar vor der Zielgerade und holte sich den zweiten Platz. Am Ende derselben Runde kam die führende Gruppe in die Box, darunter Titelverteidiger Miyazono, Coque López aus Spanien und der Champion von 2018, Igor Fraga aus Brasilien, der diesmal nur vom enttäuschenden 14. Platz gestartet war. Während Miyazono und Fraga die schnellen weichen Reifen wählten, zog López vorerst die mittleren Reifen vor und sparte die weichen für das Ende des Rennens auf.

Am Beginn von Runde 4 hatte Gallo seinen Vorsprung bereits auf 1,2 Sekunden ausgebaut, während zwischen P2 und P5 – Kawakami, Serrano, Hernandez und Lee – weniger als eine Sekunde lag. In der folgenden Runde kam es für Kawakami zur Katastrophe: Er verschätzte sich mit seinem Ford GT in Kurve 4, verlor in der Rechtskurve sein Heck und krachte gegen die Innenbande. Er hatte zwar das Glück, lediglich vier Positionen zurückzufallen, seine Chancen auf einen Meisterschaftstitel waren jedoch dahin.

Inzwischen hatte Miyazono den Abstand zum Führenden klammheimlich immer weiter verringert und führte das Rudel der Fahrer mit einem absolvierten Boxenstopp an. Der Franzose Baptiste Beauvois tat es ihm gleich und war von der letzten Startposition bereits auf Rang 10 vorgestoßen. In Runde 7 fuhren die Führenden schließlich in die Box, wobei Gallo und Hernandez auf die weichen Reifen wechselten, während Serrano und Lee sich für die mittleren entschieden. Welche Strategie die bessere sein würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorherzusehen. Als sie wieder auf die Strecke kamen, hatte zwar Mangano ohne absolvierten Boxenstopp offiziell die Führung inne, der tatsächliche Rennführende war aber Miyazono, 1,9 Sekunden vor Gallo. Mit einem Überraschungsmanöver schob sich Ryota Kokubun aus Japan, ebenfalls auf den weichen Reifen unterwegs, auf den vierten Platz und ließ Fraga und Serrano hinter sich.

In Runde 9 zeigte Gallo, weshalb er in diesem Jahr das Nonplusultra im Rennzirkus war: Er überholte Miyazono auf der Außenbahn von Kurve 11 meisterhaft und holte sich die Führung wieder. Am Ende von Runde 10 fuhr Miyazono zum letzten Mal in die Box, zog die mittleren Reifen auf und hoffte, dass sie bis zum Ende durchhalten würden. So erbte Kokubun vorerst den zweiten Platz, gefolgt von Hernandez, Mangano und Serrano. Nach einer Reihe von Boxenstopps in den folgenden Runden arbeitete sich Miyazono auf Platz 4 zurück und lag nun hinter Gallo, Hernandez und Mangano, die allesamt noch einen Stopp zu absolvieren hatten. Beauvois war währenddessen auf den sechsten Platz vorgefahren.

In Runde 17 führten Gallo und der zweitplatzierte Hernandez ihre finalen Boxenstopps durch, um das verbleibende Rennen auf den langsamen harten Reifen zu Ende zu fahren. Sie kehrten auf P2 und P4 auf die Strecke zurück (der vorn liegende Mangano hatte noch einen Stopp vor sich) und nahmen Miyazono in ihre Mitte, während Beauvois inzwischen P5 belegte. Vier Runden vor Schluss musste Gallo auf den harten Reifen sämtliches Können aufbieten, um sich sowohl Miyazono auf den mittleren als auch Beauvois auf den weichen Reifen vom Leib zu halten. Die „Nations Cup“-Meisterschaft würde sich definitiv zwischen diesen drei Fahrern entscheiden!

In Runde 18 zog Miyazono in der Haarnadelkurve 11 an Gallo vorbei und holte sich die Führung, machte aber in der anschließenden Schikane einen Fahrfehler und gab sie dem Italiener postwendend zurück. Während Miyazono verzweifelt versuchte, an Gallo vorbeizukommen, rückte Beauvois dem Japaner auf die Pelle und wartete auf den passenden Zeitpunkt für ein Überholmanöver. Diesen fand er schließlich in Runde 19 unmittelbar nach der Schikane, zog vorbei auf P2 und blies nun zum Angriff auf Gallos roten Ford GT. Würde es dem Franzosen tatsächlich gelingen, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen und vom letzten Startplatz aus den Sieg im Großen Finale zu holen?

Beauvois saugte sich in Gallos Windschatten heran und holte sich in der vorletzten Runde P1 – doch seine weichen Reifen waren bereits abgenutzt und es gelang ihm die gesamte Runde über nicht, Gallo abzuschütteln. Vielleicht lag es auch am vom Italiener ausgeübten Druck, als Beauvois in der komplizierten Schikane kurzzeitig die Kontrolle über sein Auto verlor und seinem Kontrahenten eine Lücke für ein Überholmanöver verschaffte, die dieser eiskalt ausnutzte und sich die Führung zurückholte. Valerio Gallo machte anschließend keine Gefangenen, fuhr souverän als Erster über die Ziellinie und holte sich damit die Meisterschaft im Nations Cup 2021 in dominanter Manier. Er beendete die Serie 18 Punkte vor dem zweitplatzierten José Serrano, der in diesem Rennen Rang 4 belegte, und 22 Punkte vor Takuma Miyazono auf Platz 3. Baptiste Beauvois‘ brillante Darbietung im Großen Finale brachte ihm schließlich Gesamtrang 4 in der Serie ein.

Gallo sagte nach dem Gewinn seines ersten Titels im Nations Cup: „Es war eine tolle Serie – ich konnte den ‚Nations Cup‘-Titel holen, vier Runden und die Olympic Virtual Series gewinnen. Ja, es ist geradezu magisch. Ich kann meine Gefühle gerade gar nicht beschreiben, denn ich habe in diesem Jahr erst so richtig erkannt, was in mir steckt. Ich möchte diesen Titel allen Leuten widmen, die mich dabei unterstützt haben.“

RANG FAHRER ZEIT
1 Valerio Gallo Williams_BRacer 35:19.026
2 Baptiste Beauvois R8G_TSUTSU +00.290
3 Takuma Miyazono Kerokkuma_ej20 +01.775
4 Jose Serrano PR1_JOSETE +02.041
5 Lucas Bonelli TGT_BONELLI +02.991
6 Juan Hernández TX3_Kangreti +03.126
7 Angel Inostroza YASHEAT_Loyrot +04.628
8 Patrik Blazsán RSZe_Fuvaros8 +04.851
9 Giorgio Mangano Williams_Gio +05.506
10 Ryota Kokubun Akagi_1942mi +07.536
11 Igor Fraga IOF_RACING17 +08.046
12 Matthew McEwen AE_McEwen +08.211
13 Coque López coqueIopez14 +09.473
14 Kanata Kawakami SG_Kawakana +11.742
15 Andrew Lee PX7-AmazingHour +15.916
16 Andrew Brooks PX7-Deafsun +24.002

Nations Cup 2021 – Weltfinale
Ergebnis

RANG FAHRER Halbfinalgruppe A Halbfinalgruppe B Halbfinalgruppe C GROSSES FINALE GESAMTPUNKTE
1 Valerio Gallo Williams_BRacer - 12 - 24 36
2 Takuma Miyazono Kerokkuma_ej20 12 - - 16 28
3 Baptiste Beauvois R8G_TSUTSU - 7 - 20 27
4 Jose Serrano PR1_JOSETE - 10 - 14 24
4 Lucas Bonelli TGT_BONELLI - - 12 12 24
6 Juan Hernández TX3_Kangreti - - 7 10 17
7 Angel Inostroza YASHEAT_Loyrot - - 8 8 16
8 Patrik Blazsán RSZe_Fuvaros8 - 5 - 6 11
9 Giorgio Mangano Williams_Gio - 6 - 4 10
9 Igor Fraga IOF_RACING17 - - 10 0 10
9 Matthew McEwen AE_McEwen 10 - - 0 10
12 Andrew Lee PX7-AmazingHour 8 - - 0 8
12 Ryota Kokubun Akagi_1942mi 6 - - 2 8
12 Coque López coqueIopez14 - 8 - 0 8
15 Kanata Kawakami SG_Kawakana 7 - - 0 7
16 Andrew Brooks PX7-Deafsun - - 6 0 6
17 Tatshuhiko Kato Tatsukt 5 - - - 5
17 Randall Haywood R8G_Originals - - 5 - 5
19 Jonathan Wong saika159- 4 - - - 4
19 Nicolas Romero ERM_NicoRD - 4 - - 4
19 Adriano Carrazza KoA_Didico15 - - 4 - 4
22 Soma Iseri Arrow71sr 3 - - - 3
22 Nikita Moysov ERM_Nick - 3 - - 3
22 João Cláudio Santos Pessôa GRID_JoaoSof - - 3 - 3
25 Tomoaki Yamanaka yamado_racing38 2 - - - 2
25 Arie Rodrigues Haydar eMONACO_Arie64 - 2 - - 2
25 Daniel Solis PX7-Lamb - - 2 - 2
28 Guy Barbara PX7-Twitchy 1 - - - 1
28 Quinten Jehoul ERM_Quinten - 1 - - 1
30 Kylian Drumont eMONACO_Kylian19 - 0 - - 0
30 Ádám Tápai TFz_Adam18 - 0 - - 0
30 Miroslaw Kravchenko V1_MK01 - 0 - - 0
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