GT World Series

Mit einem bekannten Champion beginnt die Saison 2026 auf spektakuläre Weise

Nations Cup der Gran Turismo World Series 2026 – Runde 1 – Mailand

MAILAND, Italien (23. Mai 2026) – Die Saison der Gran Turismo World Series 2026 startete am Samstag, 24. Mai im Teatro Lirico Giorgio Gaber im Herzen von Mailand. Auf den Manufacturers Cup folgte der Nations Cup, bei dem die Fahrer als stolze Repräsentanten ihres Heimatlandes oder ihrer Heimatregion auf die Strecke gehen.

Ein Feld mit 12 Elite-Teilnehmern – darunter die drei Bestplatzierten aus dem Nations Cup 2025 sowie die bestplatzierten Fahrer aus jeder Region des Online-Qualifyings – versammelte sich in der italienischen Stadt, um vor einem begeisterten Publikum, dem lautesten seit Beginn des Programms, in zwei Rennen gegeneinander anzutreten. Das erste Rennen war das Sprintrennen, das über die Startaufstellung im entscheidenden Großen Finale entschied.

Alle Augen waren auf den Titelverteidiger Jose Serrano gerichtet, den Spanier, der die vergangene Saison mit eiserner Faust dominiert hatte. An seiner Seite standen sein Landsmann und Teamkollege Pol Urra sowie der japanische zweifache Champion Takuma Miyazono, der darauf aus war, sich die Krone zurückzuholen. Doch die Erwartungen lasteten auf keinem Fahrer so sehr wie auf dem Italiener Valerio Gallo – einem Lokalmatador, der vor heimischem Publikum antrat und dessen Name an diesem Abend durch das ganze Theater hallte.

Sprintrennen: Sardegna – Strecke A – 10 Runden

Obwohl keine Meisterschaftspunkte vergeben wurden, hatte das Sprintrennen eine enorme Bedeutung – das Endergebnis bestimmte die über Startaufstellung für das Große Finale. Austragungsort war die weitläufige „Sardegna – Strecke“ und als angenehme Überraschung fuhren die Fahrer keine modernen Boliden, sondern eine handverlesene Auswahl an Legenden der Automobilwelt: klassische Straßenwagen aus dem goldenen Zeitalter des Motorsports, deren Leistungsbalance (BoP) sorgfältig angepasst worden war, um faire Wettkampfbedingungen zu gewährleisten. Zu sehen, wie Millionen-Dollar-Ikonen wie der Jaguar D-Type, der Mercedes-Benz 300 SL und der Aston Martin DB3S sich gegenseitig den Lack zerkratzten und ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten, war einfach faszinierend ... und nervenaufreibend, trotz der virtuellen Umgebung.

Der Spanier Jose Serrano (Falcon_Josete) im Aston Martin DB3S und der Franzose Kylian Drumont (VitaIity_Kylian) im Porsche 550 Spyder teilten sich die erste Reihe. Der fliegende Start verlief reibungslos, doch Drumont verschwendete keine Zeit und raste noch vor der ersten Kurve an Serrano vorbei, um die Führung zu übernehmen. Der Spanier Samuel Moreno (S--Moreno) im Ferrari 500 Mondial kam kurz darauf hinzu und zog ebenfalls an Serrano vorbei.

In Runde 2 kam es zum entscheidenden Moment des Rennens. Serrano und Drumont kollidierten an der Spitze, woraufhin beide Fahrzeuge zurückfielen – Serrano auf Position 10, Drumont auf Position 12. Vorne herrschte Chaos und Miyazono (ZETA_Miyazono), der am Steuer seines Porsche 356 A die Ruhe bewahrte, übernahm ohne zu zögern die Führung. Weiter hinten erwies sich das Chaos als Segen für Pol Urra (Falcon_PolUrra), der mit seinem Alfa Romeo 8C 2900B Touring von Position 8 auf 3 sprang, während der Niederländer Kaj de Bruin (Vitality_Kaj) mit seinem Jaguar D-Type von Position 10 auf 4 vorrückte.

In Runde 3 hatte Moreno die Initiative ergriffen. Auf der Zielgeraden schob er sich an Miyazono vorbei und übernahm die Führung. Es dauerte nicht lange, bis die ersten drei eine enge, spannungsgeladene Einheit bildeten und einen Vorsprung von 2,0 Sekunden auf den Rest des Feldes herausfuhren. Die folgenden Runden waren ein fesselndes Schachspiel zwischen Moreno, Miyazono und Urra – Führungswechsel, umkämpfte Ideallinien und kein Millimeter verschenkter Spielraum.

Währenddessen kam das italienische Publikum richtig in Stimmung, als Gallo (SFE_BRacer) im imposanten Mercedes-Benz S Barker Tourer in Runde 4 an de Bruins D-Type vorbeizog und Position 4 einnahm. Er lag zwar noch rund vier Sekunden hinter den Führenden zurück, doch das war den „Tifosi“ egal – sie jubelten trotzdem lautstark.

Als die karierte Flagge geschwenkt wurde, überquerte Samuel Moreno als Erster die Ziellinie – ein erstaunlicher Debütsieg bei seinem allerersten GTWS-Live-Event. Urra kam als Zweiter ins Ziel und Miyazono sicherte sich Platz 3 auf dem Podium. Konnte der spanische Neuling diesen Schwung mit ins Große Finale nehmen und die Welt überraschen?

Große Finale: Autodromo Nazionale Monza – 27 Runden

Das Hauptevent fand auf dem Autodromo Nazionale Monza statt, dem „Temple of Speed“, wo lange Geraden und geringe Anforderungen in Sachen Abtrieb dafür sorgen, dass jede strategische Entscheidung zählt. Alle 12 Fahrer stiegen in den beeindruckenden Red Bull X2019 Competition: 816 PS, 650 kg, null Beschränkungen, wobei jedes Auto die Farben der Nation seines Fahrers trug. Es standen drei Reifentypen zur Verfügung: weich, mittel und hart, wobei alle drei verwendet werden mussten. Weiche Reifen sollten ungefähr acht Runden halten, mittlere bis zu 14 und harte sogar noch länger – wenn auch mit einem deutlichen Tempoverlust. Die Geschwindigkeiten auf den legendären Geraden von Monza erreichen 320 km/h.

Moreno führte das Feld von der Pole Position an, dicht gefolgt von Urra und Miyazono in der ersten Runde. Die ersten sechs starteten alle mit mittleren Dunlop-Reifen – eine vorsichtige, kalkulierte Eröffnung. Doch die ruhige Situation an der Spitze täuschte über die Turbulenzen im Mittelfeld hinweg und in Runde 5 kam Leben ins Rennen. Gallo zog auf der Startgeraden an Miyazono vorbei auf Position 3, was für Jubelschreie auf der Tribüne sorgte. Eine Kurve später überholte auch de Bruins X2019 den Japaner und ließ ihn auf die 5. Position zurückfallen. Nur drei Sekunden trennten die ersten sechs.

Dann kam der entscheidende Moment der Anfangsphase. In Runde 8 verlor der bis dahin souverän führende Moreno in der Curva Parabolica die Kontrolle über sein Auto, kam von der Strecke ab und fiel augenblicklich auf Position 6 zurück. Urra übernahm die Führung, dicht gefolgt von de Bruin und Gallo, und plötzlich hatte das Rennen eine völlig neue Wendung genommen. Der Nachmittag des Siegers im Sprintrennen wurde durch einen einzigen Moment der Unachtsamkeit ruiniert.

Urra, gelassen und präzise, begann seinen Vorsprung auszubauen. Bis Runde 11 hatte er einen Vorsprung von 2,3 Sekunden herausgefahren. Doch Gallo war unerbittlich, und in Runde 13 schob er sich in der Curva Rettifilo an de Bruin vorbei, um Position 2 zurückzuerobern und den Führenden fest im Visier zu haben. Mit näher rückendem Zeitfenster für die Boxenstopps entbrannte ein harter Kampf um die restlichen Podiumsplätze – Gallo, de Bruin, Serrano und Miyazono lieferten sich einen Vierkampf, bei dem kaum eine Sekunde zwischen ihnen lag.

Runde 14 erwies sich als strategischer Wendepunkt des Rennens. Urra, de Bruin, Gallo und Miyazono legten am Ende der Runde alle einen Boxenstopp ein, während Serrano, „El Rayo de Granada“, sich entschied, auf der Strecke zu bleiben und die Undercut-Gelegenheit lieber zu nutzen, um in Führung zu gehen. Urra und de Bruin wechselten auf weiche Reifen, Gallo und Miyazono setzten auf Langlebigkeit und entschieden sich für harte. Serrano fuhr eine Runde später in die Box und wechselte ebenfalls auf weiche Reifen. Als sich der Staub gelegt hatte, ergab sich die Reihenfolge: Urra, de Bruin, Gallo, Serrano und Miyazono – wobei Moreno sich durch seine gewagte Strategie mit weichen Reifen wieder auf Position 6 vorgearbeitet hatte und nur noch eine Sekunde hinter dem amtierenden Champion lag.

In Runde 19, acht Runden vor dem Ende, legten Gallo und Miyazono ihren letzten Stopp ein und wechselten auf weiche Reifen, in einem letzten verzweifelten Versuch, an Tempo zu gewinnen. Urra, Serrano und de Bruin warteten bis Runde 22, bevor sie für ihren letzten Satz harte Reifen in die Box kamen. Doch in den finalen Runden wendete sich das Blatt schlagartig. Gallo erhielt eine Strafe von einer halben Sekunde für das Überschreiten der Streckenbegrenzung, die es Miyazono ermöglichte, an ihm vorbei auf die 4. Position zu ziehen. In Runde 25 erhielt dann de Bruin eine Ein-Sekunden-Strafe für das Überschreiten der Streckenbegrenzung, wodurch Gallo Position 3 zurückbekam, dicht gefolgt von Miyazono. Eine Runde später verlor Gallo aufgrund einer weiteren Strafe die Position erneut an Miyazono.

Dann kam das Herzschlagfinale. In der letzten Runde verlor Gallo, der vor heimischem Publikum mit aller Kraft um einen Podiumsplatz kämpfte, nach Kurve 3 die Kontrolle. Ein Rad kam von der Strecke ab und schleuderte seinen X2019 ins Streckenbett. Im Theater herrschte fassungslose Stille. Die Traumplatzierung für den italienischen Hengst war auf die grausamste Weise geplatzt.

An der Spitze gab es solche Dramen nicht. Urra überquerte die Ziellinie und sicherte sich seinen Sieg im Nations Cup, gefolgt von Serrano auf Platz 2. Miyazono landete mit dem 3. Platz auf dem Podium und bewies einmal mehr, warum er nach wie vor der Goldstandard im Rennsport von Gran Turismo ist.

Pol Urra meinte nach dem Rennen: „Im Sprintrennen habe ich von einigen Vorfällen profitiert und es irgendwie auf Platz 3 geschafft. Im Großen Finale bin ich einfach Samuel gefolgt. Ich wollte ihn nicht bedrängen ... und dann drehte er sich plötzlich, was ich nicht erwartet hatte, und ich musste mich darauf konzentrieren, das Tempo vorzugeben. Glückwunsch an Jose und Takuma und auch einen großen Applaus für Valerio, denn er hat sich großartig geschlagen.“

Nach dem Ende der ersten Runde hat Spanien die Nase vorn. Urra und Serrano haben sich erneut als das Team präsentiert, das es zu schlagen gilt – ihre Harmonie und ihr Reifenmanagement sind eine Klasse für sich. Doch mit Miyazono im Nacken und einem hungrigen Feld, das sein volles Potenzial noch nicht gezeigt hat, verspricht die Saison im Nations Cup 2026 alles andere als vorhersehbar zu werden.

Über den VerfasserSam Mitani

Sam Mitani, ehemaliger International Editor beim Magazin Road & Track und Kolumnist für mehrere internationale Publikationen, ist heute ein preisgekrönter Buchautor. Seine Prototype-Trilogie umfasst drei Spionagekrimis mit Automobilbezug und ist auf Englisch erhältlich. Eine japanische Ausgabe des ersten Buches, „The Prototype“, erschien im vergangenen Jahr in Japan.

Gran Turismo World Series 2026 Runde 1 – Mailand – Ergebnisse im Nations Cup

Qualifying-Zeitrennen

Fahrzeug:
Red Bull X2019 Competition
Strecke:
Autodromo Nazionale Monza
RANG Land / Fahrer ZEIT Abstand
1
Jose Serrano
Spanien
1'23.840
2
Kylian Drumont
Frankreich
1'23.987 +00.147
3
Samuel Moreno Baeza
Spanien
1'24.072 +00.232
4
Takuma Miyazono
Japan
1'24.082 +00.242
5
Ryota Kokubun
Japan
1'24.323 +00.483
6
Lucas Bonelli
Brasilien
1'24.327 +00.487
7
Valerio Gallo
Italien
1'24.390 +00.550
8
Pol Urra
Spanien
1'24.505 +00.665
9
Kaj de Bruin
Niederlande
1'24.548 +00.708
10
Samuel Cardinal
Kanada
1'26.418 +02.578
11
Guy Barbara
Australien
-- --
12
Adriano Carrazza
Brasilien
-- --

Sprintrennen

Fahrzeug:
Selected from 12 production cars
Strecke:
Sardegna – Strecke A
Runden:
10
RANG Land / Fahrer ZEIT Abstand
1
Samuel Moreno Baeza
Spanien
20'13.371
2
Pol Urra
Spanien
20'13.432 +00.061
3
Takuma Miyazono
Japan
20'13.713 +00.342
4
Valerio Gallo
Italien
20'22.114 +08.743
5
Kaj de Bruin
Niederlande
20'22.235 +08.864
6
Jose Serrano
Spanien
20'26.858 +13.487
7
Ryota Kokubun
Japan
20'30.031 +16.660
8
Guy Barbara
Australien
20'31.242 +17.871
9
Lucas Bonelli
Brasilien
20'31.254 +17.883
10
Kylian Drumont
Frankreich
20'31.309 +17.938
11
Samuel Cardinal
Kanada
20'31.683 +18.312
12
Adriano Carrazza
Brasilien
20'39.641 +26.270
Schnellste Runde:
Spanien Samuel Moreno Baeza 1'59.713

Großes Finale

Fahrzeug:
Red Bull X2019 Competition
Strecke:
Autodromo Nazionale Monza
Runden:
27
RANG Land / Fahrer ZEIT PUNKTE
1
Pol Urra
Spanien
39'09.622 6
2
Jose Serrano
Spanien
+01.306 5
3
Takuma Miyazono
Japan
+02.824 4
4
Kylian Drumont
Frankreich
+04.531 3
5
Kaj de Bruin
Niederlande
+05.389 2
6
Ryota Kokubun
Japan
+05.883 1
7
Samuel Cardinal
Kanada
+11.802 0
8
Lucas Bonelli
Brasilien
+12.644 0
9
Valerio Gallo
Italien
+14.240 0
10
Samuel Moreno Baeza
Spanien
+14.711 0
11
Guy Barbara
Australien
+16.492 0
12
Adriano Carrazza
Brasilien
+21.658 0
Schnellste Runde:
Frankreich Kylian Drumont 1'24.014

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